Die Problematik des Zinssystems

Beunruhigt Sie auch die aktuelle Entwicklung der Wirtschaft? Fragen Sie sich auch, wo dies hinführen soll, wenn die Wirtschaft entgegen aller Prognosen doch nicht anspringt? Der vorliegende Text soll Ihnen, lieber Leser, die Augen über die tatsächliche Ursache der unerfreulichen Entwicklung öffnen. Sie brauchen für das Verständnis des Textes keine besondere Geisteskraft, jedoch eine gehörige Portion Offenheit, sich einmal selbst überraschen zu lassen.

Wohlstand und Wirtschaftswachstum

Jeder Mensch weiß: Ein genügend hohes Wirtschaftswachstum ist Voraussetzung für ein wachsendes Wohlstandsniveau. Doch die Abhängigkeit des Wohlstandsniveaus vom Wirtschaftswachstum ist noch viel größer als Sie vielleicht annehmen mögen. Es gilt sogar: Stillstand heißt Rückschritt, d.h. Stagnation der Wirtschaft führt zu einem Rückgang des Wohlstandsniveaus. Nicht umsonst gibt es das Gesetz für Stabilität und Wachstum, welches den Politikern vorschreibt, durch Gesetze ein angemessenes Wirtschaftswachstum und damit mindestens ein stabiles Wohlstandsniveau zu ermöglichen. Es wird klar, dass unsere Wirtschaft einem stetigen Wachstumszwang unterliegt. Doch warum kann eine stagnierende Wirtschaft kein stagnierendes Wohlstandsniveau hervorbringen? Die Beantwortung dieser Frage ist Grundlage für wirksame Veränderungen, die die Politik scheinbar nicht herbeiführen kann.

Ursache des Wachstumszwanges

Der Wachstumszwang unserer Wirtschaft resultiert aus unserem Finanzsystem, genauer aus dem Zinsmechanismus.

Wer viel Geld in unserer Welt hat, legt dieses verzinslich in der Volkswirtschaft an. Jährlich bekommt er Zinsen für sein Guthaben und wird damit noch reicher, und das ganz ohne Arbeitsleistung. Das angelegte Geld wird auf der anderen Seite verborgt (Kredit), d.h. das Vermögen des einen entspricht den Schulden des anderen (Verbraucher, Unter-nehmer, Staat). Für einen Kredit zahlt man i.d.R. Zins, Geld, das (zum größten Teil) dem Sparer zufließt und - da der Zins nicht vom Himmel fällt - vom Schuldner erarbeitet werden muss. Da die Zinserträge der Sparer großer Vermögen durch den Zinseszins-Effekt exponentiell wachsen (ein Teil der Zinsen wird in der Folge weiter verzinst, da der Zinsertrag nicht vollständig verkonsumiert werden kann), müssen auf der anderen Seite auch die Schulden exponentiell wachsen. Diesen Effekt kennen Sie sicherlich unter dem Namen „die sich immer schneller öffnende Schere zwischen Arm und Reich“. Visualisiert durch die Deutsche Bundesbank schaut dies so aus:

Gewinner des Systems sind Sie dann, wenn Sie mehr Zinsen bekommen als Sie zahlen. Und Zinsen zahlen Sie reichlich: Zinsen für Staatsschulden in Form von Steuern, Zinsen für Unternehmensschulden in Form von überhöhten Preisen (Zinsanteil am Produktpreis beträgt z.Z. ca. 40%), und falls Sie gerade Ihr Haus abzahlen natürlich noch Zinsen für Ihre privaten Schulden. Im Jahr 2000 musste jeder Haushalt der BRD durchschnittlich auf ca. 17.000 Euro seines Einkommens verzichten, um die Zinsansprüche des Kapitals sicherzustellen. Wenn Sie es also nicht geschafft haben, einen so großen Geldbetrag anzusparen, der Ihnen zu mindestens 17.000 Euro Zinsen im Jahr verhilft, dann sind Sie de facto Verlierer des Systems, und Sie werden in Zukunft einen immer größeren Anteil Ihres hart erarbeiteten Einkommens an die Menschen abgeben müssen, die bereits viel Geld besitzen, ob Sie wollen oder nicht.

Das ist also des Pudels Kern: Da Sie immer mehr Geld für die Zinslasten ausgeben müssen, muss Ihr Einkommen im selben Ausmaß anwachsen, nur damit Ihr Lebensstandard nicht absinkt. Für eine Volkswirtschaft gilt dann entsprechend: Das Bruttosozialprodukt muss mindestens genauso stark anwachsen, wie die Zinsschuld anwächst, um das erreichte Wohlstandsniveau halten zu können. Dies ist also die Ursache des Wachstumszwanges. Und da es sich um exponentielles Wachstum der Vermögen bzw. der Schulden mit einer jährlichen Wachstumsrate von ca. 2,5% handelt, muss das Bruttosozialprodukt ebenfalls um jährlich mindestens 2,5% wachsen. Es führt also nicht nur Stagnation oder ein negatives Wirtschaftswachstum zum Rückgang des Wohlstandsniveaus, sondern auch ein positives Wirtschaftswachstum unterhalb von 2,5%. Und Sie sollten sich an dieser Stelle dringend klar machen, was exponentielles Wachstum bedeutet, auch im Bezug auf die Umwelt.

Wachstumszwang und gesättigte Märkte

Intuitiv dürfte wohl jedem klar sein, dass in einer begrenzten Welt kein beschleunigtes und unbegrenztes Wirtschaftswachstum möglich ist. Es wird immer einen begrenzenden Faktor geben, sei es ein begrenzt verfügbarer Rohstoff oder einfach nur eine gesättigte Konsumentenschaft. Entgegen der naiven Annahme unbegrenzten und immer schnelleren Wirtschaftswachstums muss es also entsprechend einer Sättigungskurve zur Abschwächung des Wachstums kommen. Und sobald die Wachstumsrate von 2,5% unterschritten wird, kommt es zu massiven Problemen: Die Kaufkraft sinkt, was zu Absatzschwierigkeiten, Preissenkungen und damit zu Umsatz- und Gewinneinbußen bei den Unternehmen führt. Folge sind Kostensenkungen im Bereich des Faktors Arbeit (Entlassungen, Lohnsenkungen), da die Kosten im Bereich des Faktors Kapital für das Unternehmen fix sind. Hierdurch sinkt aber wiederum die Kaufkraft. Es entsteht eine sich selbst verstärkende deflationäre Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und Löhnen sowie zunehmenden Unternehmenspleiten. Besonders hart sind Schuldner betroffen, die durch Arbeitslosigkeit oder gesunkene Löhne nicht mehr in der Lage sind, ihre Schuldzinsen zu tragen. Auch eine Zwangsversteigerung schafft keine Abhilfe, da auch das Preisniveau sinkt. Der Schuldner wird also sein Objekt (z.B. eine Immobilie) los und hat weiterhin Schulden, die nicht mehr einbringbar sind. Es kommt zu Bankenpleiten, wodurch Sie Ihr Erspartes verlieren.

Gesättigte Märkte und Zinsniveau

Zins ist der Preis für Kapital auf dem Kapitalmarkt. Die Höhe des Zinses ergibt sich aus dem Kapitalangebot und der Kapitalnachfrage nach marktwirtschaftlichen Gesetzen. Sind die Warenmärkte zunehmend gesättigt, dann gibt es für die Unternehmen keinen Grund für Neuinvestitionen, d.h. die Kapitalnachfrage wird gegen Null streben mit der Folge, dass auch der Zins gegen Null strebt. Wenn jedoch der Zins gegen Null strebt, dann verringert sich der Zinseszinseffekt, und der Wachstumszwang wird zunehmend aufgehoben. Ist dies der Ausweg aus der drohenden deflationären Abwärtsspirale?

Funktion(en) von Geld

Kurz: nein! Denn Geld hat neben seiner eigentlichen Funktion als Tauschmittel noch zwei weitere, über-flüssige Funktionen: die Funktion als Wertaufbewah-rungsmittel (Schatzmittel) und die Funktion als Spekulationsmittel. Das große Problem ist, dass Geld immer nur eine Funktion wahrnehmen kann. Damit eine arbeitsteilige Volkswirtschaft funktionieren kann, muss das Geld ständig im Umlauf bleiben (Geld in der Funktion als Tauschmittel). Dies tut es, in dem es ausgegeben wird, oder in dem es weiter verborgt wird, wobei der Zins das „Lockmittel“ (Um-laufsicherung) ist. Strebt der Zins gegen Null, dann gibt es für den Anleger keinen Anreiz mehr, über-schüssiges Geld zu verborgen - es wird gehortet (Geld in der Funktion als Wertaufbewahrungsmittel) oder es dient der Spekulation und steht somit als Tauschmittel nicht mehr zur Verfügung. Folge ist eine massive Störung des Wirtschaftskreislaufes: Aus Geldmangel können die angebotenen Güter nicht mehr gekauft bzw. abgesetzt werden, es ent-steht eine Nachfragelücke. Dies ist laut Definition wiederum die Beschreibung von Deflation.

Unser derzeitiges Problem

Die bereits aufgezeigte, scheinbar ausweglose Situation kann zusammenfassend wie folgt beschrieben werden: Eine Geldwirtschaft funktioniert nur dann, wenn das Geld als Tauschmittel fungieren kann. Der Zins übernimmt dabei die Funktion einer Umlaufsicherung; er verursacht jedoch die Vermögensumverteilung von Arm zu Reich, bringt den Wachstumszwang hervor und schädigt damit im erheblichem Maße die Umwelt. Sinkt das Wirtschaftswachstum unter 2,5%, so werden aufgrund des Zinseszinseffektes deflationäre Tendenzen sichtbar.
Tendiert der Zins aufgrund von Marktsättigung gegen Null, dann verringern sich die negativen Auswirkungen des Zinseszinseffektes (Vermögensumverteilung, Wachstumszwang), aber das Geld entzieht sich dem Wirtschaftskreislauf und gibt damit seine gewünschte Funktion als Tauschmittel ab. Folge ist Geldmangel im Verhältnis zu den angebotenen Waren, was wiederum zu Deflation führt.
Unser Wirtschaftssystem führt (und führte) also mit mathematischer Logik regelmäßig zur Katastrophe für die Menschheit. Und wir haben es hier nicht mit einer schicksalhaften Naturkatastrophe zu tun.

Gegensteuerung der Politik

Die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung einer Wirtschaftskrise ist bekanntlich das gnadenlose Herausprügeln von Wirtschaftswachstum, um mit dem Zinseszinseffekt Schritt halten zu können. Ist der Zins noch genügend hoch, dann kann die Wirtschaft mit Zinssenkungen angekurbelt werden (Verschuldung wird billiger), wobei jedoch Zinsentscheidungen nicht von der Politik, sondern von der Europäischen Zentralbank autark getroffen werden. Ist der Zins aufgrund Marktsättigungstendenzen bereits stark abgesunken, dann gibt es keinen Puffer mehr für weitere Zinssenkungen, wenn das Geld seine Funktion als Tauschmittel behalten soll. Abgesehen von Krieg, bei dem gesättigte Märkte in ungesättigte Märkte verwandelt werden, gibt es jetzt nur noch eine einzige Möglichkeit, die drohende Deflation doch noch ein bisschen hinauszuzögern: Staatsverschuldung. Dabei tritt der Staat zur Finanzierung großer Projekte als Nachfrager auf den Kapitalmarkt und verhindert damit ein weiteres ruinöses Absinken des Zinses. So sinnlos solche Projekte in Zeiten knapper Kassen auch manchmal erscheinen mögen, das Halten des Zinssatzes auf genügender Höhe ist absolut notwendig, um die Wirtschaft nicht sofort zum Erliegen zu bringen. Da - wie bereits beschrieben - die Vermögen entsprechend dem Zinseszinseffekt exponentiell anwachsen, müssen auch die Schulden exponentiell anwachsen. Zunehmende Staatsverschuldung ist also nicht die Folge falscher Politik einer bestimmten Partei, sondern resultiert zwingend aus dem Fehler im Geldsystem.

Doch wie kann auf den drohenden Staatsbankrott reagiert werden? Eine mögliche Variante sind drastische „Sparprogramme“, die vor allem die sozial Schwächeren treffen und den Sozialstaat zunehmend unter die Räder kommen lassen. Folge sind wachsende Armut und soziale Spannungen, die sich zunehmend gewaltsam entladen und zu einer immer größeren Gefahr für die Demokratie werden. Eine andere Variante wäre, die Lücke im Staatshaushalt durch zusätzliche Geldschöpfung mit Hilfe der Notenpresse zu schließen. Die Folge wäre ein immer stärkeres Anwachsen der Geldmenge im Verhältnis zu den angebotenen Gütern, also eine sich immer schneller beschleunigende Inflation. Gewinner einer Inflation sind bekanntlich die Schuldner, die sich auf elegante Weise ihrer Schulden entledigen, während die Geldvermögen der Sparer immer mehr abgewertet und praktisch vernichtet würden. Eine Inflation ist jedoch relativ unwahrscheinlich, da die Notenbanken von der Regierung unabhängig sind.

Lösung des Problems

Während sich die Politiker aller Parteien ausschließlich darauf konzentrieren, genügend Wirtschaftswachstum zu schaffen bzw. die negativen Effekte mangelnden Wachstums in die Zukunft zu verlagern, gibt es anscheinend keine Partei, die den Wachstumszwang als Ursache allen Übels aus dem System eliminieren möchte. Dabei wäre keine sozialistische Revolution notwendig, um uns vor der nächsten Weltwirtschaftskrise und nachfolgenden Weltkrieg zu bewahren. Es bedarf lediglich einer kleinen Korrektur: Einführung eines Weitergabe-zwanges für Geld, um einen kontinuierlichen Geldumlauf auch bei Vorliegen gesättigter Märkte zu garantieren. Dies könnte eine Geldumlaufsicherungsgebühr, also eine Art „Parkgebühr“ auf gehortetes Geld sein. Die Gebühr soll die Geldbesitzer dazu bewegen, ihr Geld entweder zu konsumieren oder auch ohne Zinsforderungen bei den Banken anzulegen (oder direkt zu investieren), um der sonst fälligen Umlaufsicherungsgebühr auszuweichen. Auf diese Weise würden dem Kapitalmarkt verstärkt Gelder zufließen, das Angebot an Krediten von Seiten der Banken würde steigen, und der Kreditzins würde ganz von selbst nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage entsprechend zunehmender Marktsättigung sinken und sich langfristig im Durchschnitt immer mehr in Richtung Null bewegen, ohne den Wert von Null zu erreichen. Dies liegt daran, dass sich der Kreditzins aus verschiedenen Bestandteilen zusammensetzt.

Bestandteile des Zinses

  1. eigentlicher Zins („Urzins“)
  2. Inflationsanteil
  3. Risikozuschlag
  4. Gewinnanteil

Der „Urzins“ entsteht aus der Überlegenheit des Geldes über Ware und Arbeit. So muss sich der Besitzer eines verderblichen Kartoffelberges beeilen, seine Ware gegen das wertbeständige und universelle Zahlungsmittel Geld einzutauschen. Der Geldbesitzer dagegen kann beliebig lange warten, bis er die Ware kauft. Der Warenbesitzer muss dem Geldbesitzer einen Preisnachlass gewähren, anderenfalls investiert sich das Geldkapital nicht und wartet auf günstigere Bedingungen. Der erzwungene Preisnachlass kommt nicht durch die Marktkräfte von Angebot und Nachfrage zustande, sondern durch die Überlegenheit des Geldes. Durch eine Umlaufsicherungsgebühr wird das Geld genauso wie die Ware verderblich, womit gleiche Bedingungen zwischen Geldbesitzern und Warenbesitzern hergestellt sind, so dass sich Kreditgeber und Kreditnehmer als gleichberechtigte Partner gegenüberstehen. Der „Urzins“ wird damit Null.

Um beim Geldverleih hinterher nicht weniger Kaufkraft zurückzuerhalten als ausgeliehen wurde, wird die Inflationsrate in den Kreditzins eingerechnet. Da nach Einführung einer Umlaufsicherungsgebühr das Preisniveau stabil ist, fällt auch dieser Zinsbestandteil weg.
Bleiben werden Kreditvermittlungsgebühren der Banken, bestehend aus einem Risikozuschlag (es kommt immer wieder vor, dass ausgegebene Kredite nicht oder zum Teil nicht mehr einbringbar sind) und einem Gewinnanteil. Damit wird sich ein Kreditzins zwischen Null und 1,5% einstellen.

Auswirkungen umlaufgesicherter Währung

  • das Preisniveau ist steuerbar, d.h. Inflation und Deflation gehören der Vergangenheit an
  • der Wachstumszwang entfällt, was auch die Umwelt schützt
  • die Umverteilung von Arm zu Reich ist gestoppt
  • die Steuern sinken, ebenso das komplette Preisniveau, womit die Masse der Bevölkerung erheblich an Kaufkraft gewinnt
  • die Lohnnebenkosten sinken, ebenso die Zahl der Arbeitslosen, was wiederum Grundvoraussetzung für das Funktionieren der Sozialsysteme ist
  • viele Fördermittel des Staates können zurück-gefahren werden
  • Reiche werden ohne Arbeitsleistung nicht mehr reicher

Zinsfreies Geld in der Geschichte

Sie meinen, dies wären revolutionäre oder gar phantastische Gedanken? Keinesfalls!

Die Ächtung des Zinses hat im Christentum lange Tradition. Auf zahllosen frühkirchlichen Synoden wurde das Zinsverbot beschlossen und bekräftigt. Höhepunkt des Zinsverbotes war das frühe („goldene“) Mittelalter um 1100. Dabei wurden zweimal im Jahr 12 alte Pfennige gegen 9 neue ausgetauscht. Das führte dazu, dass sich Geldhortung nicht mehr lohnte. Das Ergebnis war die größte Entwicklungsperiode der deutschen Geschichte. Die sozialen Unterschiede waren so ausgeglichen wie nie mehr im historischen Verlauf. Das Minimum der arbeitsfreien Tage pro Jahr lag bei 90, oftmals sogar über 150. Sehr bald wurde auch der Montag als arbeitsfrei eingeführt, womit die Handwerker nur noch 4 Tage in der Woche arbeiten mussten. Um 1300 kam es zu einem historisch einzigartigem Höhepunkt der Städteneugründungen. Große Dome und Kathedralen wurden allein durch freiwillige Spenden finanziert. Um 1500 (im späten bzw. „finsteren“ Mittelalter) wurde die durch Jahrhunderte hinweg erhobene kirchliche Forderung nach einem Zinsverbot immer mehr aufgelöst und Geld immer öfter nur noch hochverzinst verliehen. So konnten sich z.B. die Fugger zu einer der mächtigsten Familien der damaligen Welt aufschwingen. Die Vermögensumverteilung verschob sich innerhalb weniger Jahrzehnte so drastisch, dass es in ganz Mitteleuropa aufgrund Geldmangel zu einem Stop der gotischen Bauten für 300 Jahre kam. Die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung verschlechterte sich so stark, dass es Anfang des 16. Jahrhunderts zu blutigen Bauernkriegen kam. Diese Entwicklungen waren Schubkräfte für die Reformationen Martin Luthers, der sich in mehreren Schriften leidenschaftlich gegen das Zinsnehmen wendete. Um 1600 schließlich wurde von der evangelischen Kirche die prinzipielle Absage Luthers an das Zinsnehmen unauffällig korrigiert und der entstehenden Geldwirtschaft Rechnung getragen. 1983 kam es auch im Kirchengesetzbuch der katholischen Kirche zur ersatzlosen Streichung des Zinsverbotes.

Aber auch in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, also z.Z. der großen Weltwirtschaftskrise, wurden verschiedene Versuche mit der Umsetzung von umlaufgesichertem Geld (z.B. „Ulmer Wära“ in Deutschland) entsprechend den Reformvorschlägen Silvio Gesells (1862-1930) unternommen. Gesell schlug vor, einen Geldschein in einzelne Felder zu unterteilen, auf denen zum angegebenen Datum eine kostenpflichtige Marke (ähnlich Briefmarken) aufgeklebt werden muss, damit der Geldschein seine Gültigkeit behält. Gesell nannte die neue, langfristig zinsfrei Währung „Freigeld“ und die darauf aufgebaute Wirtschaftsordnung „Freiwirtschaft“. Nachdem sich das Freigeld schnell ausbreitete, wurde es von der Regierung in Berlin durch Notverordnung verboten.

top