Medium Geld in einem reformierten Geldsystem

Der Tauschvorgang als Grundlage

Wirtschaft beruht primär auf dem Austausch von Leistungen. Auch in den Waren, die wir für unseren täglichen Bedarf benötigen, schätzen wir vor allem die Arbeitsleistung, die zu ihrer Produktion erforderlich war. Erst durch die menschliche Arbeitsleistung bekommt ein Wirtschaftsgut seinen Wert. Die materiellen Rohstoffe, aus denen Verbrauchs- und Gebrauchsgüter hergestellt werden, sind eine Gabe der Natur. Da die menschliche Arbeit meist eine innige Verbindung mit dem hergestellten Produkt eingegangen ist, wird der materielle Aspekt zumeist übermässig hervor gehoben, vielleicht auch, weil die menschliche Arbeit an der Materie erst dauerhaft wird oder überhaupt erst wahrgenommen werden kann.

Einfacher Tausch

Ein Tausch besteht aus Leistung und Gegenleistung. Wenn die Tauschpartner den Wert der getauschten Leistungen als gleich beurteilen, ist der Tausch abgeschlossen. Der Vorgang muss dann nicht dokumentiert werden. Dies ist jedoch nicht der Regelfall in einer arbeitsteiligen Wirtschaft. Arbeitsteilung bedeutet Spezialisierung und die Schwierigkeit, genau den Tauschpartner zu finden, der das gewünschte Produkt als Gegenleistung bietet. Hierzu bedarf es nun eines verlässlichen und glaubwürdigen Hilfmittels zur Dokumentation.

Offener Tausch

Wenn ein Tauschvorgang offen bleibt, bedeutet dies, dass eine Leistung erbracht wurde, die noch nicht durch eine Gegenleistung erfüllt wurde. Dies ist der Normalfall in einem arbeitsteiligen Wirtschaftssystem. Zu diesem Zweck wird die Leistung dokumentiert, so dass ein anderer Wirtschaftsteilnehmer, einen Anhaltspunkt hat, welchen Anspruch der Leistungsforderer geltend machen kann.

Es gibt zwei Arten der Dokumentation: Verbuchung und Geld. Die Verbuchung geschieht zweiseitig: auf dem Konto des Leistungsempfängers A als Minusbetrag, beim Leistungsgeber B als Plusbetrag. Geld hingegen ist eine andere Dokumentationsform. In seiner ursprünglichsten Form ist es ein Schuldschein, den Herr A in unserem Beispiel ausstellt. Er vermerkt auf diesem Schein, dass er bereit ist, dem Überbringer eine der empfangenen Leistung entsprechende Gegenleistung zu geben. Für Herrn B, der dieses Dokument erhält, ist dieser Schuldschein jedoch ein Gutschein, denn er kann Dritten gegenüber belegen, dass er eine Leistung erbracht hat und eine Gegenleistung gut hat. Geld ist also ein vorübergehender Ersatz und Informationsträger für die noch nicht erhaltene Gegenleistung - es ist noch nicht die Gegenleistung selbst.

Kreislauf

In dieser stark schematisierten Grafik können wir nun verfolgen, wie so ein Schulden-Gutschein "rund läuft". Nehmen wir an, B sei ein Friseur, der Herrn A die Haare schneidet. Herr A hat ein schönes Glas selbstgekochte Himbeermarmelade mitgebracht, die er als Bezahlung für den Haarschnitt übergeben wollte. Herr B, der Friseur, mag jedoch keine Marmelade, der direkte Tausch schlägt also fehl oder bleibt offen. In einem Tauschring würden nun beide ihr Buchungsheft hervorholen und sich gegenseitig Schulden und Guthaben quittieren. Es gibt jedoch noch eine praktischere Möglichkeit: Herr A schreibt einen Zettel, auf dem er bestätigt, dass Herr B ihm die Haare geschnitten hat, was so viel wert ist wie ein schönes Glas Himbeermarmelade. Er verspricht, dem Überbringer dieses Schuldscheines die Marmelade auszuhändigen, d.h. seine Gegenleistung zu erbringen. Herr B ist einverstanden und nimmt den Zettel anstatt der Gegenleistung. Er geht nun zur Käsehändlerin Frau C und lässt sich von ihr Käse im Wert der Marmelade, bzw. eines Haarschnitts, geben. Frau C nimmt den Zettel an, mag aber auch keine Marmelade, sondern sie geht zum Weinhändler D, der ihr für den Zettel eine Flasche Wein aushändigt. Auch Herr D mag keine Marmelade und gibt ihn für die Reparatur seiner Waschmaschine an Herrn E. Und so läuft der Zettel weiter und weiter bis er zu Frau H kommt. Sie sieht nun, dass sie für den Zettel die langersehnte Himbeermarmelade bekommen kann, geht zu Herrn A und verlangt sie als Gegenleistung für Näharbeiten am Mantel des Herrn G. So schliesst sich am Ende der Kreis, wobei anzumerken wäre, dass dieser Kreis noch wesentlich grösser sein kann und bis Q oder Z reichen kann oder noch weiter. Es gibt keinerlei Beschränkung für den Umfang eines solchen Kreises.

An dieser Stelle ist es wichtig, fest zu stellen, dass das Geld bei jedem Handwechsel für eine andere Art von Leistung steht. Durch die jeweilige Form der Leistung ist es "gedeckt", bzw. es reflektiert den Wert der jeweiligen Leistung. Der Wert, oder genauer: der Preis, wird durch Angebot und Nachfrage auf dem Markt ermittelt und es ist die Information über einen abstrakten Wert, den der Geldschein überträgt.

Geld-Tauschgegenstand

Das Geld ist gewissermassen ein beliebig übertragbarer Blanko-Schuld-Gutschein für einen standardisierten und abstrakten Wert. Bei jedem Handwechsel schliesst und öffnet es einen Tauschvorgang. Da das Geld nur eine Information über einen Wert darstellt und der Geldschein nur als Informationsträger dient, muss es die realen Werte, für die das Geld steht, auch tatsächlich geben. Beim Zirkulationsmittel "Geld" sind das die Waren und Dienstleistungen, die auf dem Markt ausgetauscht werden.

Der Wert des Geldes

Wie wir gesehen haben, steht das Geld bei jedem Handwechsel einer anderen konkreten Leistung gegenüber. Prinzipiell kann mit dem Geld jede beliebige, konkrete Leistung, die auf dem Markt angeboten wird, eingetauscht werden. Da das erworbene Geld jedoch noch nicht die Gegenleistung für die erbrachte Leistung selbst ist, vergeht immer eine gewisse Zeit zwischen erbrachter Leistung und erhaltener Gegenleistung. Die potentielle Gegenleistung ist jedoch schon als Angebot auf dem Markt und wartet darauf, nachgefragt zu werden. In dieser mehr oder weniger langen Zeitspanne, während der sich die Waren auf dem Markt befinden, unterliegen sie einer Wertminderung wie in dem Beispiel mit dem Apfel auf dem Bild. Dieses Beispiel ist natürlich etwas extrem und entspricht nicht dem Durchschnitt der Leistungen auf dem Markt. Es ist hierbei jedoch zu beachten, dass das Tauschgut nicht der materiell vorhandene Apfel ist, sondern die Arbeitsleistung des Obstbauern, der diesen Apfel produziert hat, indem er Bäume angepflanzt, den Boden gedüngt und das Obst geerntet hat. Bezahlt wird mit dem Kaufpreis auch die Arbeitsleistung etwa eines Spediteurs, der den Apfel vom Erzeuger zur Grossmarkthalle transportiert hat sowie des Lebensmittelhändlers, der die Waren für seine Kunden bereit hält. So könnte man auch sagen, dass das Geld ein Medium ist, das die Arbeit eines Ingenieurs in die Arbeit eines Obstbauern oder die Arbeit eines Maurers in die Arbeit eines Buchdruckers "übersetzt".

Der Apfel in seiner materiellen Eigenschaft wird von der Natur kostenlos erzeugt. Dasselbe gilt auch für andere Naturprodukte und Rohstoffe. Baumwolle wird von der Natur kostenlos erzeugt, aber wenn wir ein Hemd kaufen, bezahlen wir vor allem den längeren Herstellungsprozess von der Ernte, Reinigung, Faden spinnen, weben, nähen usw.

Mit dem Verderben der Ware wird auch die damit verbundene Arbeitsleistung wertlos, so dass man sagen kann: die Arbeitsleistung, die sich als Gegenleistung auf dem Markt befindet, ist im Lauf der Zeit einer gewissen Wertminderung unterworfen. Dies gilt für alle Leistungen auf dem Markt, nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Kleidung, die unmodern wird oder für Computer-Hard- und Software, die durch neuere Entwicklungen überholt wird. Da das Geld jedoch für alle Leistungen auf dem Markt gültig ist, muss es nur den durchschnittlichen Wertverlust berücksichtigen. Der Wertverlust der Leistungen ist bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung minimal, scheinbar vernachlässigbar. Sie liegt schätzungsweise in der Grössenordnung von wenigen Promille vom Bruttosozialprodukt und sie wird als Umlaufgebühr auf die zirkulierende Geldmenge allein erhoben. Damit kompensiert die Umlaufgebühr auch den Wertverlust der Leistungen auf dem Markt und hält die zirkulierende Geldmenge in einem dynamischen Fliessgleichgewicht mit dem Leistungsstrom.

Die Geldzirkulation

Geld hat einen dynamischen Charakter. Ein einfaches Bild für den Kreislauf des Geldes wäre ein Schaufelrad, das den vorbeifliessenden Fluss aktiv fortbewegt. Ein Geldschein kann durch beliebig häufige Weitergabe Umsatz bewirken, d.h. in der Wirtschaft ist es das Geld, das den Strom von Waren und Dienstleistungen aktiv bewegt, so wie die einzelnen Schaufeln des Rades immer wieder erneut eintauchen und den Fluss fortbewegen. Der Motor für dieses Schaufelrad ist der Bedarf. Für die Synchronisation der zirkulierenden Geldmenge mit der Bewegung des Leistungsstroms kann der Umfang der Geldmenge innerhalb einer geringen Schwankungsbreite geregelt werden, während der Strom der Waren unaufhörlich in eine Richtung fliesst. In diesem Sinne ist Geld nicht knapp, sondern steht jederzeit in genau der erforderlichen Menge zur Verfügung.

Geldzirkulation

Geldmenge, Umlaufgeschwindigkeit und Warenstrom hängen eng voneinander ab. Durch die umlaufende Geldmenge im Verhältnis zum Warenstrom bilden sich die relativen Preise heraus. Die Preisstabilität kann daher nur gewährleistet werden, wenn das Verhältnis von Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit laufend an den Waren- und Dienstleistungsstrom dynamisch angepasst wird. Dies ist aber nur möglich, wenn alle Parameter in der Gleichung bekannt sind und angepasst werden können. Im gegenwärtigen Geldsystem ist es vor allem die Umlaufgeschwindigkeit, die unberechenbaren Schwankungen unterliegt. Durch die Anpassung des Geldes an den Wertverlust der Leistungen und deren Kompensation durch die Nachhaltigkeitsgebühr wird die Umlaufgeschwindigkeit gleichmässig verstetigt.

Wertaufbewahrung

Die Umlaufgebühr stellt das Geld den Leistungen auf dem Markt gleich. Es bietet daher keinen Anreiz mehr, als Wertaufbewahrungsmittel gehortet zu werden, jedenfalls nicht mehr als der Durchschnitt der auf dem Markt angebotenen Leistungen. Die Funktion der Wertaufbahrung ist jedoch ein unverzichtbares Mittel in der Wirtschaft, um Investitionen zu ermöglichen, die Zukunft abzusichern und unvorhergesehene Krisen (z.B. Unfälle, Naturkatastrophen) besser zu bewältigen.

Die Umlaufgebühr ist nicht nur eine Korrektur des Geldwertes, sondern ermöglicht nunmehr auch die klare Trennung von Tauschfunktion und Wertaufbewahrung. Der Marktteilnehmer ist aufgefordert, sich für den Eintausch seiner ihm zustehenden Gegenleistung zu entscheiden oder sein Geld auf ein Sparkonto bei der Bank zu legen, wenn er das Geld erst zu einem späteren Zeitpunkt benötigt. Die Bank wird dann einen Kreditnehmer für ihre Spareinlagen finden. Auf diese Weise führt sie das Tauschmittel wieder in den Geldkreislauf zurück. Für die vertraglich festgelegte Zeit kann dann der Sparer nicht über sein Geld verfügen, er ist also nicht im Besitz des Geldes auf seinem Sparkonto. Der Kreditnehmer seinerseits leiht sich das Geld, um eine Investition zu tätigen, etwa eine neue Maschine für seine Fabrik anzuschaffen. Das Geld, das er dafür ausgibt, zirkuliert dann weiter auf dem Markt.

Auch unter freiwirtschaftlichen Bedingungen wird ein Kreditnehmer eine Sicherheit vorweisen müssen, die dem Wert des geliehenen Geldes entspricht. So können wir sagen, dass auch den Sparguthaben reale Werte gegenüber stehen. Aber weder Gläubiger noch Schuldner sind während der vertraglich vereinbarten Zeitspanne im Besitz des Geldes, daher können wir die Kapitalsphäre auch als die Sphäre des Nicht-Geldes bezeichnen. Es handelt sich hierbei um Werte, die nur mit dem Masstab "Geld" gemessen wurden.

Geld-Sachkapital

Es ist wichtig, hier daran zu erinnern, dass die Sparguthaben auf der Bank einen Wert dokumentieren, der real vorhanden sein muss, wenn die Zahlen auf dem Konto eine zuverlässige Information darstellen sollen. Der Kreditnehmer erhält den Wert des eingesetzten Pfandes aufrecht (evtl. Pflege, Wartung) und garantiert somit für den Werterhalt des Geldguthabens.

Nicht-Geld

Diese stark vereinfachte, schematische Grafik will den Zusammenhang von Geld- und Sachkapital nochmal verdeutlichen. Einige Pfeile fehlen auf der Grafik, um sie nicht allzu unübersichtlich werden zu lassen. So wird in der Zeichnung das Vorhandensein von Geldkapital beim Gläubiger vorausgesetzt. In der Regel wird er jedoch erst eine Leistung in den Markt einbringen, sich das Anrecht auf eine Gegenleistung (Geld) erwerben und das überschüssige Geld auf ein Sparkonto bei der Bank legen. Die Bank dient dann als Vermittler und vergibt einen Kredit an einen Schuldner, der das Geld in Sachkapital investiert. Nehmen wir an, der Schuldner sei ein Unternehmer, dann wird er mithilfe des erworbenen Sachkapitals (z.B. eine Maschine) Produkte erzeugen und auf dem Markt anbieten. Mit dem Erlös für seine Produkte entzieht er dem Geldkreislauf das Geld und zahlt es dem Gläubiger zurück. Der wiederum kann dann zum vereinbarten Zeitpunkt den ursprünglich aufgeschobenen Erwerb seiner Gegenleistung nachholen, indem er dem Markt Leistungen entnimmt und das Geld in den Kreislauf zurück gibt.

Bodenreform

Boden ist nicht durch menschliche Arbeitsleistung entstanden, er ist von Natur aus vorhanden und das "Eigentum" aller Menschen. Wir alle brauchen Boden, sei es um den Boden selbst zu bearbeiten und Lebensmittel zu erzeugen, als Wohnfläche oder um Produktionsstätten darauf zu errichten. Nur die Agrarprodukte, die Wohnhäuser oder Fabrik- und Bürogebäude, zu deren Herstellung menschliche Arbeit geleistet wurde, können daher einen Preis haben, der in Geldwert ausgedrückt wird. Boden dagegen kann nicht käuflich sein. Um den Boden entsprechend verteilen und nutzen zu können, würde es genügen, entsprechende Flächen meistbietend gegen eine Pachtzahlung anzubieten. Die Pacht ist dann als eine Gebühr an die Allgemeinheit zu verstehen, die dem Pächter Schutz für das Nutzungsrecht nach entsprechenden Gesetzen gewährt.

Das Eigentum an natürlichen Ressourcen kann nicht mit dem selben Masstab gemessen werden, der auf menschliche Arbeitsleistung angelegt wird. Für die Bodenreform ist es jedoch nicht notwendig, die Eigentümer nach bestehendem Recht zu enteignen. Für eine Übergangsphase würde eine Bestimmung genügen, die das Bodeneigentum nicht als Sicherheit für ein Darlehen (Hypothek) zulässt. Die Überführung von Boden an eine unabhängige Verwaltungsinstitution könnte über mehrere Generationen abgewickelt werden, nämlich dann, wenn die jetzigen Eigentümer auf ihr Eigentumsrecht an Boden freiwillig verzichten und an die Verwaltungsinstitution verkaufen. Auf diese Weise liesse sich die Bodenreform sozialverträglich abwickeln. Für die Geld- und Wirtschaftsreform ist es nur wesentlich, dass Boden nicht als Sachkapital dem Geldkapital gegenüber steht. Nur von Menschen geschaffene Werte können Kapital sein.

Das ausschliessliche Tauschgut in einer Wirtschaft mit reformiertem Geldsystem ist menschliche Arbeitsleistung in welcher Form auch immer. Wenn wir z.B. ein Fahrrad kaufen, denken wir zumeist an den materiellen Gegenstand, den wir damit erwerben. Was wir aber tatsächlich eintauschen, ist die Arbeitsleistung von Menschen, die in einem längeren Produktionsprozess einen Brocken Eisenerz so bearbeitet haben, dass ein funktionstüchtiges Fortbewegungsmittel daraus entstand. Die Arbeitsleistung, die für die Herstellung des Fahrrads eingesetzt wurde, ist dann die Gegenleistung, die wir mit der eigenen Arbeitsleistung eintauschen. Das Hilfsmittel für diesen Austausch ist das Geld. Der Rohstoff - das Eisenerz - ist kostenlos in der Natur zu finden. Das trifft auf alle natürlichen Ressourcen zu, insbesondere Boden.

Boden ist nicht durch menschliche Arbeitsleistung entstanden, er ist von Natur aus vorhanden und das "Eigentum" aller Menschen. Wir alle brauchen Boden, sei es um den Boden selbst zu bearbeiten und Lebensmittel zu erzeugen, als Wohnfläche oder um Produktionsstätten darauf zu errichten. Nur die Agrarprodukte, die Wohnhäuser oder Fabrik- und Bürogebäude, zu deren Herstellung menschliche Arbeit geleistet wurde, können daher einen Preis haben, der in Geldwert ausgedrückt wird. Boden dagegen kann nicht käuflich sein. Um den Boden entsprechend verteilen und nutzen zu können, würde es genügen, entsprechende Flächen meistbietend gegen eine Pachtzahlung anzubieten. Die Pacht ist dann als eine Gebühr an die Allgemeinheit zu verstehen, die dem Pächter Schutz für das Nutzungsrecht nach entsprechenden Gesetzen gewährt.

Das Eigentum an natürlichen Ressourcen kann nicht mit dem selben Masstab gemessen werden, der auf menschliche Arbeitsleistung angelegt wird. Für die Bodenreform ist es jedoch nicht notwendig, die Eigentümer nach bestehendem Recht zu enteignen. Für eine Übergangsphase würde eine Bestimmung genügen, die das Bodeneigentum nicht als Sicherheit für ein Darlehen (Hypothek) zulässt. Die Überführung von Boden an eine unabhängige Verwaltungsinstitution könnte über mehrere Generationen abgewickelt werden, nämlich dann, wenn die jetzigen Eigentümer auf ihr Eigentumsrecht an Boden freiwillig verzichten und an die Verwaltungsinstitution verkaufen. Auf diese Weise liesse sich die Bodenreform sozialverträglich abwickeln. Für die Geld- und Wirtschaftsreform ist es nur wesentlich, dass Boden nicht als Sachkapital dem Geldkapital gegenüber steht. Nur von Menschen geschaffene Werte können Kapital sein.

Unterschiede im bestehenden Geldsystem

1. Umlaufsicherung
Die Umlaufsicherung besteht aus zwei Teilen: dem Zins als Anreiz, gespartes Geld zu verleihen, und die Inflation als Ansporn zum Konsum. Die Inflation entsteht durch Ausweitung der Geldmenge und hebt den Preisstandard an. Sie betrifft die Warenpreise ebenso wie die gesparten Geldguthaben. In der Folge steigt der Zins, um den Verlust bei den Sparvermögen auszugleichen. Die Schwäche dieser Methoden liegt darin, dass sie keinen direkten Einfluss auf die Geldzirkulation nehmen können.
2. Widerspruch zwischen Tauschfunktion und Wertaufbewahrung
Da das Geld problemlos und ohne Lagerkosten zurückgehalten werden kann, kann es dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden und diesen erheblich beeinträchtigen. Die Hortbarkeit des Geldes lässt keine verlässlichen Rückschlüsse zu, wieviel von dem emittierten Geld als Tauschmittel benutzt wird und wieviel dem Wirtschaftskreislauf zur Wertaufbewahrung entzogen wurde. Eine klare Trennung der beiden Funktionen ist daher nicht möglich. 
3. Unzuverlässiger Wertmasstab 
Das zirkulierende Geld gibt den Wert der Tauschleistungen nicht korrekt wieder, weil es den Wertverlust der Tauschleistungen nicht berücksichtigt, solange diese sich auf dem Markt befinden. Da dieser fehlerhafte Masstab auch in volkswirtschaftlichen Berechnungen nicht korrigiert wird, führt er zu ungenauen Ergebnissen und daraus resultierenden Planungsunsicherheiten. 
4. Menschliche Arbeitsleistung in Konkurrenz zu natürlichen Ressourcen  
Natürliche Ressourcen werden mit demselben Masstab bewertet wie menschliche Arbeitsleistung. Natürliche Ressourcen haben ihren Wert durch blosses Vorhandensein und sind das Rohmaterial, das durch menschliche Arbeit gewonnen und verarbeitet wird. Die wichtigste Ressource ist der Boden. Da die natürliche Vergänglichkeit der Leistungen auf dem Markt nicht berücksichtigt wird, repräsentieren die wachsenden Geldvermögen immer weniger von Menschen geschaffene Werte, sondern unverarbeitete, natürliche Ressourcen, insbesondere Boden. Dadurch wird das exponentielle Wachstum der Geldvermögen überhaupt erst möglich, denn durch die Wirtschaftsleistung allein könnten sie nicht "unaufhörlich" wachsen. Die menschliche Arbeitsleistung gerät zunehmend in Konkurrenz zu den Ressourcen, die ihren Wert allein durch ihr Vorhandensein besitzen. 

Der Autor

Dieser Artikel wurde von Robert Mittelstaedt verfasst, dessen Website Sie unter http://home.debitel.net/user/RMittelstaedt/Money/index.html besuchen können. Dort finden Sie auch weitere interessante Artikel zum Thema Geld. 

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